Kleine Geschichten

 

 

Country-Songs . . . was sie ausdrücken und wie sie entstanden

 

Country ist eine Musik, die von der Aussage her den Alltag in ihren Liedern auszudrücken versucht. Sie spiegelt die Sorgen und Nöte der “kleinen Leute” wieder und hat nicht selten authentische Züge. Die Thematik erstreckt sich über Armut, Probleme, Arbeitswelt, bis zum “immer grünen” Thema Liebe. Auch Religiosität hat in der Countrymusic ihren Platz. Es ist beachtlich, wie viele Countrystars ihre Liebe zur Musik in der frühen Jugend im Kirchenchor entdeckten.
  

 

  

Merle Haggard hat vielfach in seinen Songs Lebenserfahrung verarbeitet. Ein Beispiel dafür ist “Mama Tried”. Haggard hatte bereits im Alter von neun Jahre seinen Vater verloren. Seine Mutter war bis dahin nur Hausfrau und arbeitete dann als Buchhalterin um die Familie durchzubringen. Merles älterer Bruder versuchte den Vater zu ersetzen. Obwohl die Mutter immer wieder versuchte den Sohn auf den rechten Weg zu bringen, kam der junge Haggard auf die schiefe Bahn.

   

 

   

Eine weitere Geschichte aus Merles Leben ist “Kentucky Gambler”. Der Titel stammt allerdings aus der Feder von Dolly Parton. Sie schrieb die Geschichte in Erinnerung an ihren Großvater, der selbst ein unverbesserlicher Spieler war. Oft war er abends unterwegs, und verspielte das angesparte Geld. Merle Haggard hatte unabhängig davon ein ähnliches Erlebnis. Merle: “Ich habe selber mal beim Blackjack viel Geld verloren. In einem Spielcasino von Nevada hatte ich eine Glückssträhne und einen Haufen Geld gewonnen. Ich dachte, es geht so weiter und habe am Ende noch draufgelegt.”

 

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Die Inspiration zu “Sing Me Back Home” bekam Merle Haggard bei seiner Haftzeit in San Quentin. Es handelt sich um einen Häftling namens Jimmy “Rabbitt” Hendricks. Er brachte nach einem Fluchtversuch einen Polizisten um. Darauf wurde Hendricks zum Tode verurteilt. Merle Haggard erinnert sich: “Es war ein brutaler Mord und “Rabbitt” war ein unverbesserlicher Krimineller. Aber du vergißt es nie, wenn du siehst, wie ein Mithäftling seinen letzten Gang antritt. Sein letzter Wunsch war ein Lied zu hören, das ihn an zu Hause erinnerte.”

 

 

 

Mit dem “Workin’ Man Blues” hat Merle Haggard dem “kleinen Mann” ein Denkmal gesetzt. Die Inspiration dazu bekam er anläßlich des legendären Konzerts von Johnny Cash im Gefängnis von San Quentin. Haggard erinnert sich: “Mit dem Song “San Quentin” konnten sich die Gefangenen identifizieren. Ich wollte ein Lied schreiben, womit sich die Leute auf der Straße identifizieren können.”

 

 

 

Ganz anders kam der Nummer-Eins-Hit “Take This Job And Shove It” von Johnny Paycheck zustande. Der Countrysänger und Autor David-Allan Coe saß in einer Diskussionsrunde, wo er gefragt wurde: “Könnten Sie sich vorstellen, daß Sie Feuerwehrmann geworden wären?” Verwundert antwortete Coe nur: “Die können nur ihren Job machen und Dienst schieben.” Aus dieser Situation heraus schrieb David-Allan Coe das Lied zum Spaß, nicht ahnend, daß daraus ein Superhit werden könnte.

 

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Auch Kontroversen hat die Countrymusic hervor gebracht. Conway Twittys “Linda On My Mind” schildert, wie ein Ehemann bei seiner Frau im Bett liegt und dabei an eine andere denkt. Conway dazu: “Viele Texter schreiben über Situationen wie diese. Man kann so etwas nicht aus der Countrymusic heraus lassen. Aber man sollte so etwas schildern, ohne verletzend zu werden.”    Dennoch lösten die Texte oft Diskussionen aus, wie z.B. auch Conway Twittys “You’ve Never Been So Far Before”. Hier geht es um eine langjährige Beziehung, in die ein anderer Mann einbricht. Große amerikanische Rundfunkstationen, darunter der berühmte Sender WSM in Nashville, legten den Text falsch aus und wollten die Single nicht spielen.

 

 

 

Eine sehr große Irritation rief Merle Haggard mit seinem “Okie From Muskogee” hervor. Anläßlich einer Tournee kam Merle mit seinen Musikern in die Nähe der Kleinstadt Muskogee in Oklahoma. Aus dem Bus sah man den Wegweiser “Muskogee 19 Miles”. Scherzend sagte einer der Musiker: “Ich wette, in diesem Nest raucht keiner Marihuana.” Merle Haggard und Roy Burris nahmen sich dieser spaßigen Aussage an, und in zwanzig Minuten war der Text fertig. Inhaltlich nahm der Song auch die Hippiebewegung in San Franzisco aufs Korn. Das ganze war nicht böse gemeint, wurde aber von den amerikanischen Intellektuellen deutlich mißverstanden, zumal sich der Vietnamkrieg gerade auf dem Höhepunkt befand. Merle Haggard dazu: “Das Lied sollte nur Stolz auf die Heimat aussagen, keinen übertriebenen Patriotismus.” Alle diese Umstände bewirkten für Merle, daß er den Ruf des reaktionären Countrysängers weg hatte.

 

 

 

Vielfach falsch verstanden wurde auch Tammy Wynettes Erkennungszeichen “Stand By Your Man”. Co-Autor und Produzent Billy Sherill dazu: Es sollte ein Song speziell für Frauen werden, die sich ihrer Identität bewußt sind.” Kritik dazu kam aus dem feministischen Lager. Sherill: “Man kann das Lied mögen, oder soll sich damit abfinden. Für mich ist es eine besondere Art “Ich liebe dich” zu sagen.”

 

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Eine besondere Geschichte verbirgt sich hinter Conway Twittys “Hello Darling”. 1975 fand die amerikanisch-sowjetische Raumfahrtmission Apollo/Sojus statt. Astronaut Thomas P. Stafford wünschte sich als Musik für die Mission gerade diesen Titel. Ein Lied sollte in russisch aufgenommen werden, damit die Kosmonauten aus der UDSSR auch berücksichtigt wurden. Twitty fand an der Universität von Oklahoma Hilfe, und aus “Hello Darling” wurde “Privet Radost”. Man könnte sagen, Countrymusic verbindet die Welt.

 

 

 

Für “Thank God For The Radio” war die Ursache ein simpler Gedankensprung. Royce und Jeannie Kendall wollten einmal etwas anderes als das berühmte Thema “Liebe” besingen. Komponist Max D. Barnes und Robert John Jones ließen die Köpfe rauchen. Die Idee kam von Jones. Max D. Barnes blickt zurück: “Da gab es für die Oak Ridge Boys den Titel “Thank God For Kids”. Da dachten wir: “Die Leute der Musikindustrie sollten dankbar für das Radio sein. Erst wollten wir das nicht aufnehmen, aber die Kendalls bestanden darauf.” Zum Glück, denn es wurde ein Superhit.

 

 

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